Dichterlesung

19.10. / 19:30 Uhr
Universitätsbibliothek, Universitätsstr. 31

Antonio Machado, Gustavo Adolfo Bécquer und Gerardo Diego

„Wer kennt die Stadt, wer kennt die Namen, die gastlich hier zusammenkamen?“ ließe sich fragen, wenn es um „Soria, ciudad de poetas“ als ein „Muss“ für Spanien- Touristen geht. Die Ausstellung „Soria, ciudad de poetas – Literatura y Turismo“ und die im Rahmen dieser Ausstellung stattfindende Dichterlesung am 19. Oktober geben Antworten. Die drei hier vorgestellten Dichter Antonio Machado, Gustavo Adolfo Bécquer und Gerardo Diego – drei der herausragendsten Vertreter der spanischen Lyrik – verbrachten einen Teil ihres Lebens in und um Soria. Unter verschiedenen Aspekten spiegeln sich die Stadt, ihre durch Romanik und Gotik geprägte Architektur, ihre Landschaft mit dem Fluss Duero und ihre bis zu den Keltiberern (Numantia) zurückreichende Geschichte in ihrem poetischen Werk wider.

Für den Sevillaner Machado war Soria durch seine Heirat mit Leonor Izquierdo und deren frühen Tod eine Erinnerungs- und erlebte Heimat geworden, der er in „Campos de Castilla“ ein Denkmal setzte, das zu einem Lied der Liebe zu den Menschen, ihrer Landschaft und ihrer Geschichte wurde. Dem Dichter Gustavo Adolfo Bécquer, der längere Phasen seines kurzen Lebens in dem in der Nähe von Soria liegenden säkularisierten Zisterzienserkloster Veruela verbrachte, lieferten die Stadt, ihre Umgebung und ihre Sagenwelt den Stoff für seine berühmten „Leyendas“. Sein Verhältnis zu den Landschaften Kastiliens ist im Gegensatz zu dem Machados ambivalenter. Dies gilt auch für diejenigen Gedichte aus seinem lyrischen Werk, den „Rimas“, in denen die in Stein gemeißelte Vergangenheit Kastiliens zwar poetisiert wird, gleichzeitig aber als „Versteinerung“ bedrückend werden kann.

Für Gerardo Diego, der Mitglied der Gruppe der „Generación del 27“ war (der u. a. auch Federico García Lorca angehörte), wird Soria einerseits Ort der Reflexion über die herausragende Bedeutung der beiden voran-gegangenen Dichter, andererseits aber auch Ort des Rückzugs aus der realen Welt in die ästhetische Welt, in der Soria und seine Umgebung nur noch als Chiffre für eine innere Welterfahrung erscheinen. Die Gedichte werden in deutscher (in der Übersetzung von Christiane Busl) und spanischer Sprache vorgetragen, musikalisch umrahmt und mit kurzen kommentierenden Einführungen versehen.

Christiane Busl und Rudolf Busl haben den Übersetzerpreis der Spanischen Botschaft in Berlin für ihre Übersetzungen von Gedichten des Poeten Gustavo Adolfo Bécquer erhalten („Gustavo Adolfo Bécquer. Rimas. Reime. Spanisch / Deutsch“. Stuttgart: Reclam 2013).