CAT DOC- Was ist das?

Dokumentarfilm ist ... Was ist Dokumentarfilm?

 Bereits in DocumentalES (2021) haben wir die immer unscharfer werdenden Grenzen zwischen Dokumentation und Fiktion zum Thema gemacht. Damals hielten wir fest, dass die daraus entstandenen Subgenres sowohl dem Wunsch nach Verständigung als auch dem Bedürfnis nach Ausdruck entsprechen und innovative Stilmittel zur Verfügung stellen, um auf die Herausforderungen und Probleme unserer Zeit zu reagieren. Ein gutes Beispiel dafür ist der auf realen Begebenheiten basierende Film The End Will Be Spectacular / Ji bo Azadiyê , der an realen Kriegsschauplatzen in Syrien gedreht wurde, teilweise sogar unter Mitwirkung von Überlebenden. Es handelt sich jedoch um eine fiktive Geschichte. Die Regisseurin Alba Sotorra, die sich auf Dokumentarfilme spezialisiert hat und sich im Nahen Osten gut auskennt, koproduzierte den Film, nach Commander Arian (cinEScultura 2021) und The Return: Life after ISIS. My Mexican Bretzel  ist ein typisches Beispiel für die Hybridisierung von Genres in die entgegengesetzte Richtung: Aus realen Materialien – Found Footage – baut er eine fiktive Geschichte. Inwieweit ist es dokumentarisch, wenn aus den realen Bildern eine Fiktion, ein Melodram im Stil von Douglas Sirk, konstruiert wird? Die Regisseurin Nuria Gimenez Lorang verwendet 8- und 16-Millimeter-Videobander, die ihr Grosvater aufgenommen hat, um uns parallel zum Betrachten realer Bilder eine Off-Screen-Geschichte zu erzahlen, die eine durch Schnitt und Montage aufgebaute Liebesgeschichte ist Es ist kein Zufall, dass wir im Prolog des Films gewarnt werden, dass „die Luge eine andere Art ist, die Wahrheit zu erzählen“.

SEDIMENTOS

 Die übrigen Filme des Programms zeugen von der Vielfalt der Doku-Fiktion. In ¿Qué hicimos mal? ist Liliana Torres zugleich Regisseurin und Protagonistin, die zusammen mit ihrem wirklichen Partner eine Doku- Fiktion auf der Grundlage von Interviews mit ihren Ex-Partnern erstellt, um herauszufinden, warum ihrejeweiligen Beziehungen endeten, ein Ansatz, der an Broken Flowers (Jim Jarmusch, 2005) erinnert. Sedimentos) ist eine Doku-Fiktion, die uns zu Komplizen der echten Reise von sechs Transfrauen in die Berge von Leon macht, auf der Suche nach ihrer Identität. Dies ist so gut fotografiert und erzählt, dass es wie Fiktion erscheint: Die Realität übertrifft die Fiktion. Dieses Roadmovie wurde als Projekt geboren, um die Komplexität und Vielfalt von Transidentitäten auf natürliche und vielstimmige Weise zu beschreiben. The Return: Life after ISIS , ist ein von Frauen gedrehter Film für Frauen. Alba Sotorra erzählt die Geschichte einer Randgruppe, die in einen Konflikt in einem fremden Land verwickelt wird, dem sie am Ende zum Opfer fallt; ein Film über Schwesternschaft, Schuld und Erlösung, nahe am klassischen dokumentarischen Genre. Die Kamera fangt mit scharfem Blick eine Welt ein, die oft vorschnell verurteilt wird, ohne dass die komplexen Umstande bekannt sind.

 Magaluf Ghost Town von Miguel Angel Blanca, ist ein z.T. fiktiver Dokumentarfilm der unterschiedliche Sichtweisen auf ein und dieselbe Realität in den Focus nimmt. Die Konfrontation zwischen den Bewohnern und Besuchern von Magaluf, einer vom Massentourismus heimgesuchten Stadt auf Mallorca, zeugt von der moralischen Dekadenz einer überforderten Gesellschaft.