PRIMA DONA- Was ist das?

2014 besuchte uns die junge Regisseurin Mar Coll deren Spielfilmdebüt Tres dies amb la familia (2009) als Grundstein für einen neuen Zeitgeist unter den Filmemacherinnen in Barcelona betrachtet werden kann. Ihr Kino zeichnet sich allgemein aus durch die realistische Auseinandersetzung mit Umwelt und familiären Beziehungen. Grundlage dafür ist ein ethischer und ästhetischer Kodex, der die Rolle der Frau sowie die Rollen innerhalb der Familie in einer sich rasant verändernden und globalisierenden Welt darstellt. Diese Generation oder Schule des neuen katalanischen Kinos arbeitet zum Teil als Kollektiv, das sich selbst bereichert. Die Mitglieder beteiligen sich an den Projekten ihrer Kolleginnen auf verschiedenen Ebenen: Ausbildung, Produktion, Drehbuch, Beratung usw. Im Kolloquium mit dem Publikum beschrieb Mar Coll damals das reiche filmaffine und kreative Biotop, das in Barcelona existiert und durch audiovisuelle Medienstudien in unterschiedlichen Einrichtungen gefördert wird, darunter ESCAC (Escola Superior de Cinema i Audiovisuals de Catalunya), Universitat Pompeu Fabra und das Bildungsprojekt Cinema en Curs.


LIBERTAD

Dort haben die meisten dieser Filmschaffenden studiert oder zusammen gearbeitet: Neben Mar Coll sind Regisseurinnen wie Neus Ballús (La plaga) zu nennen, sowie Elena Martín (Julia ist), Belén Funes (La hija de un ladrón), Celia Rico (Viaje al cuarto de una madre), Meritxell Colell (Con el viento), Elena Trapé (Las distancias), Nely Reguera (María y los demás), Andrea Jaurrieta (Ana de día) Lucia Alemany (La Inocencia) Pilar Palomero (Las niñas), Sofía Escudé und Liliana Torres (Hayati, My life) oder Carla Simón (Estiú 1993). Die meisten dieser Filme wurden in den letzten Ausgaben von cinEScultura gezeigt und haben die wichtigsten spanischen Filmpreise erhalten (Goya Awards und Malaga Festival). Carla Simón, deren Film Alcarràs auf der Berlinale 2022 mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet wurde, ist die bekannteste Repräsentantin dieser neuen „Barcelona School“, zu der viele weitere hervorragende Regisseurinnen gehören.


ALCARRÀS

Der außergewöhnliche Aufstieg katalanischer Filmemacherinnen – oder von Filmemacherinnen, deren Werke z. T. in Katalonien produziert wurden – manifestiert sich auf nationaler und internationaler Ebene und zeugt nicht nur davon, dass hier großartige Arbeit geleistet wird, sondern auch vom hohen Niveau der Gleichstellung der Geschlechter in der Filmindustrie Kataloniens. Eine getrennte Erwähnung verdient schließlich Alba Sotorra und ihr Beitrag zum katalanischen Kino als Dokumentarfilmregisseurin und als Produzentin.