Soria, Stadt der Dichter

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Fotoausstellung
Austellungsdauer: 27.09.–30.10. Stadtbücherei Regensburg, Haidplatz 8

Die alte kastilische Stadt Soria hat seit der Mitte des 19. Jahrhunderts eine magische Anziehungskraft auf einige der bedeutendsten spanischen Dichter ausgeübt: Der wichtigste Vertreter der spanischen Romantik, Gustavo Adolfo Bécquer (1836–1870), der eigentlich aus Sevilla stammte, hielt sich ab 1860 immer wieder für längere Zeit in der vom Mittelalter geprägten Provinzhauptstadt auf und setzte ihr in seiner berühmten, von Templern und Geistern bevölkerten Schauergeschichte El Monte de las Ánimas („Der Berg der Seelen“) ein literarisches Denkmal. Dieser Erzählung zu Ehren rich- tet die Stadt jedes Jahr in der Nacht zu Allerseelen ein öffentliches Schauspiel aus, das an die gruseligen Geschehnisse erinnert. Auch für seine bekannte Erzählung El rayo de Luna ließ sich Béquer von Soria inspirieren.

 

Antonio Machado (1875–1939), der ebenfalls ein gebürtiger Sevillaner war, kam 1907 in die mittelalterliche Stadt am Ufer des Duero-Flusses, um eine Stelle als Dozent für französische Sprache und Literatur an- zutreten. Kurz nach seiner Ankunft verliebte er sich in die Tochter seines Pensionswirtes, die fünfzehnjährige Leonor Izquierdo. Er selbst war damals 32 Jahre alt. Es sollte die Liebe seines Lebens werden, und Antonio und Leonor heirateten sobald diese das damals gültige Heiratsalter erreicht hatte. Leonor und ihre Heimatstadt wurden für den großen Dichter gleichermaßen zur Muse, und so verdanken wir eines der wichtigsten Werke der spanischen Lyrik dieser Quelle der Inspiration: Die meis- ten Gedichte, die in Machados berühmten Gedichtband Campos de Castilla vereint sind, stammen aus seiner glücklichen Zeit in Soria. Die Stadt hat Machado, der als bedeutendster Lyriker der Generación del 98 gilt, quasi zu ihrem Patensohn ernannt. In Soria erinnern zahlreiche Denkmäler und Einrichtungen an ihre prominenten Literaten, wie zum Beispiel das „Haus der Dichter“ (Casa de los Poetas), in dem neben Béquer und Machado auch Gerardo Diego geehrt wird.

Der aus Santander stammende Gerardo Diego (1896– 1987) trat 1920 als Dozent für Französisch in Soria in die Fußstapfen von Antonio Machado. Diego gilt als einer der wichtigsten Vertreter der Generación del 27 und hat in seinen Versen der Stadt ein großartiges literarisches Denkmal zwischen Tradition und Moderne gesetzt.

Lassen Sie sich von den Bildern dieser Ausstellung mitnehmen auf eine literarische Reise in die kastilische Provinzhauptstadt Soria und in die sie umgebende Landschaft an den Ufern des Flusses Duero. Folgen Sie mit uns den Spuren großer spanischer Dichter, deren Kreativität hier einen sublimen Ausdruck fand.

 

Dichterlesung / Velada lírica

Antonio Machado,
Gustavo Adolfo Bécquer und Gerardo Diego

 

19.10. / 19:30 Uhr Stadtbücherei, Haidplatz 8

„Wer kennt die Stadt, wer kennt die Namen, die gastlich hier zusammenkamen?“ ließe sich fragen, wenn es um „Soria, ciudad de poetas“ als ein „Muss“ für Spanien- Touristen geht. Die Ausstellung „Soria, ciudad de poetas – Literatura y Turismo“ und die im Rahmen dieser Ausstellung stattfindende Dichterlesung am 19. Okto- ber geben Antworten.

Die drei hier vorgestellten Dichter Antonio Machado, Gustavo Adolfo Bécquer und Gerardo Diego – drei der herausragendsten Vertreter der spanischen Lyrik – verbrachten einen Teil ihres Lebens in und um Soria. Unter verschiedenen Aspekten spiegeln sich die Stadt, ihre durch Romanik und Gotik geprägte Architektur, ihre Landschaft mit dem Fluss Duero und ihre bis zu den Keltiberern (Numantia) zurückreichende Geschichte in ihrem poetischen Werk wider.

Für den Sevillaner Machado war Soria durch seine Hei- rat mit Leonor Izquierdo und deren frühen Tod eine Erinnerungs- und erlebte Heimat geworden, der er in „Campos de Castilla“ ein Denkmal setzte, das zu einem Lied der Liebe zu den Menschen, ihrer Landschaft und ihrer Geschichte wurde.

Dem Dichter Gustavo Adolfo Bécquer, der längere Pha- sen seines kurzen Lebens in dem in der Nähe von Soria liegenden säkularisierten Zisterzienserkloster Veruela verbrachte, lieferten die Stadt, ihre Umgebung und ihre Sagenwelt den Stoff für seine berühmten „Leyendas“. Sein Verhältnis zu den Landschaften Kastiliens ist im Gegensatz zu dem Machados ambivalenter. Dies gilt auch für diejenigen Gedichte aus seinem lyrischen Werk, den „Rimas“, in denen die in Stein gemeißelte Vergangenheit Kastiliens zwar poetisiert wird, gleichzeitig aber als „Versteinerung“ bedrückend werden kann. Für Gerardo Diego, der Mitglied der Gruppe der „Generación del 27“ war (der u.a. auch Federico García Lor- ca angehörte), wird Soria einerseits Ort der Reflexion über die herausragende Bedeutung der beiden vorangegangenen Dichter, andererseits aber auch Ort des Rückzugs aus der realen Welt in die ästhetische Welt, in der Soria und seine Umgebung nur noch als Chiffre für eine innere Welterfahrung erscheinen.

Die Gedichte werden in deutscher (in der Übersetzung von Christiane Busl) und spanischer Sprache vorgetragen, musikalisch umrahmt und mit kurzen kommentierenden Einführungen versehen.

Christiane Busl und Rudolf Busl haben den Übersetzerpreis der Spanischen Botschaft in Berlin für ihre Übersetzungen von Gedichten des Poeten Gustavo Adolfo Bécquer erhalten („Gustavo Adolfo Bécquer. Rimas. Reime. Spanisch / Deutsch“.

Stuttgart: Reclam 2013).